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Ich ging in den Wald, um nichts zu tun – und war begeistert (Teil 1)

Ariella Käslin - Alle Beiträge anzeigen

Die ehemalige Kunstturnerin Ariella Käslin wurde 2009 Europameisterin und Vize-Weltmeisterun im Pferdesprung. Nach ihrem abgeschlossenen Bachelorstudium in Sportwissenschaften und Psychologie an der Universität Bern studiert sie aktuell an der Fachhochschule SUPSI in Landquart Physiotherapie.
www.ariella-kaeslin.ch

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02.09.2020 – 0 Kommentare

Wann hast Du das letzte Mal etwas zum ersten Mal getan? Bei mir ist es gar nicht so lange her. Ich war im Wald. Aber nicht zum Joggen, Mountainbiken oder Wandern. Ich war einfach so im Wald, ohne damit die Ambition einer sportlichen Betätigung zu verbinden.

Dabei mag ich es, wenn es vorwärts geht und ich ins Schwitzen komme. Was ich eigentlich überhaupt nicht mag: nichts tun. Allerdings erlebe ich dieses Gehetztsein auch zunehmend als Problem. Häufig bin ich mit den Gedanken schon beim nächsten Termin, statt meinen Kaffee zu geniessen, der gerade vor mir steht. Es ist ein schrecklicher Zustand, einer der klassischsten Stressauslöser überhaupt.

Als ich zum ersten Mal vom Konzept des «Waldbadens» hörte, sah ich vor meinem inneren Auge ein Schwimmbecken im Wald, in dem ich meine Längen ziehe. In Wahrheit ist Waldbaden das Gegenteil: Es geht darum, den Wald mit allen Sinnen wahrzunehmen, zur Ruhe zu kommen – und so im Idealfall etwas für seine Gesundheit zu tun. Waldbaden liegt im Trend, doch es beruht auf einer alten fernöstlichen Tradition, dem Shinrin-yoku, und wird in Japan seit den 1980er Jahren wissenschaftlich erforscht. Ich brauchte eine Weile, um mich davon zu überzeugen, ich dachte: Ist das nicht etwas albern?

Doch ich wollte es unbedingt probieren. Ich ging in den Wald und versuchte, zu erkennen, was ich höre: Welcher Ton ist am weitesten weg? Das Rascheln der Bäume im Wind. Welcher am nächsten? Das Knirschen unter meinen Füssen. Was sehe ich, wenn ich mich umschaue? Was rieche ich, wenn ich stehenbleibe? Und was spüre ich eigentlich, wenn ich mich auf einen Baumstrunk setze?

Mein erstes Waldbaden war eine Offenbarung. Zuerst war es mir fast ein wenig peinlich, das laut auszusprechen, denn natürlich erlebte ich den Waldspaziergang auch darum so intensiv, weil ich meiner Umwelt gegenüber sonst nicht so aufmerksam bin. Bin ich in der Stadt unterwegs, schaue ich aufs Handy, und befinde ich mich tatsächlich einmal im Wald, verknüpfe ich den Aufenthalt mit dem Ehrgeiz, mich sportlich zu bewegen.

Andere brauchen keine alte fernöstliche Tradition, um zu wissen, dass ihnen der Wald gut tut. Ich brauchte es, doch jetzt werde ich es nicht so schnell wieder vergessen. Dass hinter dem Konzept des Waldbadens kein Jux, sondern tatsächlich eine Wissenschaft steckt – davon erzähle ich in meinem nächsten Blog-Beitrag.